3D-KLINKERIMPRESSIONEN AM „PULS DER STADT HAMBURG“

Foto: Ströher GmbH

Innerstädtisches, stark verdichtetes Wohnen steht in vielen Fällen für eine uniforme, wenig ansprechende Einheitsarchitektur. Auf die Spitze getrieben wurde dies von den viel geschmähten „Plattenbauten“. Doch auch nach der Zeit der „Platte“ war verdichtete Wohnbebauung nicht in jedem Fall eine Augenweide. Für die Menschen, die dort leben, bedeutet dies häufig, auf Wohnansprüche verzichten zu müssen. Dass es anders geht, beweist das Anfang 2020 fertiggestellte Wohn- und Geschäftshaus an der stark befahrenen Hoheluftchaussee in Hamburg.

Auf sechs nebeneinander liegenden Grundstücken hat das Hamburger Büro Architekt Martin Förster für die Otto Wulff Projektentwicklung ein Wohn- und Geschäftshaus entwickelt. Erhöhte Schallschutzanforderungen und die im Bebauungsplan geforderte Bautiefe von lediglich 15 Metern stellten die Planer hinsichtlich der Grundrissorganisation sowie des Brand- und Schallschutzes vor eine komplexe planerische Aufgabe. Neben einer knapp 600 m2 umfassenden Gewerbefläche im Erdgeschoss entstanden auf insgesamt 1 700 m2 Wohnfläche 22 lichtdurchflutete, attraktiv geschnittene Eigentumswohnungen mit einem begrünten Innenhof, die einen hohen Anspruch an Wohn- und Lebensqualität erfüllen. Sie verteilen sich auf sechs Stockwerke und bieten eine Gesamtfläche zwischen 55 und 130 m² in zwei bis vier Zimmern. Ein ruhiges und helles Ambiente in der innerstädtischen Lage gewährleisten die bodentiefen Fenster mit hoher Schallschutzklasse. Erholung finden die Bewohner im Hinterhof mit Gartenfläche und Kinderspielplatz. Das Grundstück ist insgesamt 1 031 m² groß.

Was dieser Gebäudekomplex von manchen anderen „Wohnblöcken“ unterscheidet und was ihn städtebaulich attraktiv erscheinen lässt, ist die Fassadengestaltung. Für sie wählten die Architekten Klinker und damit ein Material, das seit dem Mittelalter das Stadtbild der Hansestadt prägt. Und wie viele renommierte Architekten der 1920er Jahre erzielten die Planer durch verschiedene dezente gestalterische Besonderheiten eine lebendige und interessante Fassadenanmutung, wie es Martin Förster beschrieb. In diesem Fall waren es Klinkerriemchen, deren Anordnung in bestimmen Bereichen der Fassade in einer dreidimensional wirkenden Verlegeanordnung erfolgte. Dabei wurde jede zweite Mauerwerksschicht nach vorne stärker ausgeführt, so dass einzelne Steine leicht aus der Fläche ragen und die jeweilige Fassadenfläche lebendig betonen. Um diesen Effekt zu ermöglichen, musste die Architekturbrand-Klinkerriemchen in zwei Materialstärken produziert werden. Mit dem so gestalteten Erdgeschoss verschafften die Planer dem gesamten Gebäude optisch einen festeren „Stand“.

Ein Gebäude verkörpert immer auch eine bestimmte Philosophie. Unser Ziel ist es, diese im Stadtraum sichtbar zu machen.

Dipl.-Ing. Martin Förster, Architekt
Foto: Jochen Quast

Andererseits erzielte eine silbergraue Verfugung des ebenfalls in verschiedenen Grau- und Braunnuancen changierenden Riemchens eine Tiefengliederung dieses besonderen Verbandes. In Kombination mit der Verarbeitung verschiedener Formate und Riemchenstärken schufen die Architekten ein individuelles Fassadenbild, das zugleich unverwechselbar, aber unaufgeregt wirkt, eine Fassadengestaltung, die nicht modisch, sondern zeitlos und beständig ist, wie Förster betonte.

Den Beinamen „Hohe Luft am Puls der Stadt“ trägt das Quartier, das mit knapp 20 000 Einwohnern je Quadratkilometer zu den am dichtest besiedelten Stadtteilen Deutschlands zählt, nicht von ungefähr: Ambitionierte Neubauprojekte wie dieses fügen sich harmonisch in die weitgehend erhaltene Gründerzeitarchitektur des Stadtteils „Hohe Luft“ ein. Bereits Ende 2017 hatte Förster in direkter Nachbarschaft ein Projekt mit 44 freifinanzierten Mietwohnungen und drei Gewerbeeinheiten fertiggestellt.

Das Projekt an der Hoheluftchaussee passt sich architektonisch stimmig in die Umgebung des Viertels ein und schlägt mit der Klinkerfassade die Brücke zwischen Bautradition und den zeitgemäßen Anforderungen an eine wärmegedämmte, langlebige und wartungsfreie Gebäudehülle.
Fotos: Ströher GmbH

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Aus
STEIN.KERAMIK.SANITÄR
Ausgabe 4.2020

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Hoheluft-West und Hoheluft-Ost sind Stadtteile der Freien und Hansestadt Hamburg, geteilt durch die Hoheluft-Chaussee, die durch eine weitgehend erhaltene Gründerzeit-Architektur geprägt ist. Mit rund 19 200 Einwohnern pro Quadratkilometer gehören sie zu den am dichtest besiedelten Stadtteilen Deutschlands. Benannt wurden sie nach einer seit dem 17. Jahrhundert „Hoge luft“ genannten Anhöhe auf der alten Stadtgrenze Hamburgs, auf die die Straße, von der Isebekniederung (Isebek = heuten nicht mehr vorhandener Zufluss der Alster) kommend, führt; deren Namen stammt entweder von der windigen Lage der Anhöhe oder in Anspielung auf einen eventuell dort errichteten Galgen, an dem die Gehenkten zu „hoher Luft“ kamen

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Warum dieser Hamburger Stadtteil so genannt wurde und mehr über seine Geschichte weiß Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_von_Hoheluft. Das Wohn- und Geschäftshaus an der Hoheluftchaussee plante Architekt Martin Förster (Generalplanungsgesellschaft mbH, Brennerstrasse 90, 20099 Hamburg, Tel.: 040-4133080-0, www.architekten-mf.de), der Bauträger: Otto Wulff Projektentwicklung GmbH: https://www.otto-wulff.de/. Die Architekturbrand-Klinkerriemchen lieferte Ströher GmbH: https://www.stroeher.de/klinkerriemchen.html